Ob eine Pseudoallergie vorliegt und welche Stoffe unverträglich sind, wird mit einer diagnostischen Diät, der pseudoallergenarmen Diät mit anschließender Provokation, ermittelt.
Zur Diagnose gibt es zur Zeit keinen aussagekräftigen Allergietest (Hauttest oder Bluttest), um herauszufinden, ob eine Pseudoallergie vorliegt. IgG-Tests, die teilweise auch bei Verdacht auf eine Pseudoallergie durchgeführt werden, liefern keine Hinweise auf auslösende Lebensmittel und werden nicht empfohlen. 6
Die Diagnose der Pseudoallergie ist aus diesem Grund sehr anspruchsvoll.
In der Leitlinie zum Vorgehen bei Verdacht auf pseudoallergische Reaktion durch Nahrungsmittelinhaltsstoffe 2 ist festgelegt, wie die Pseudoallergie diagnostiziert werden kann. Das hier vorgeschlagene Vorgehen, ist jedoch nicht standardisiert, nicht durch eine kontrollierte klinische Studie abgesichert und zum Teil sehr zeitaufwendig.
Das Diagnoseverfahren wird deshalb generell erst dann durchgeführt,
- wenn alle anderen Auslöser, wie z. B. Infekte als Verursacher der Symptome, bereits ausgeschlossen wurden und
- die Symptome chronisch sind, das heißt über einen längeren Zeitraum bestehen.
Diagnoseweg
Der Diagnoseweg für die Pseudoallergie besteht aus folgenden Elementen:
1. Anamnese
Das ausführliche Gespräch zur Vorgeschichte des Patienten steht am Anfang einer Behandlung. Der Arzt fragt nach Symptomen, möglichen Auslösern, eingenommenen Medikamenten, Grunderkrankungen und nach dem Alkoholkonsum.
2. Ausschluss anderer Erkrankungen (Differenzialdiagnostik)
Im zweiten Schritt wird der Arzt Krankheiten ausschließen, die ähnliche Symptome, wie eine Pseudoallergie hervorrufen. Welche Krankheiten vor der Pseudoallergie abgeklärt werden, ist abhängig von den individuellen Symptomen und Grunderkrankungen Patienten.
Krankheiten die häufig vor der Pseudoallergie getestet werden, sind zum Beispiel:
Die Histaminintoleranz kann als eine Form der Pseudoallergie angesehen werden und wird ähnlich diagnostiziert.
3. Pseudoallergenarme Diät
Für die Diagnose nutzt man eine besondere Diät – die pseudoallergenarme Diät. Sie dient dazu herauszufinden, welchen pseudoallergenen Stoff der Patient nicht verträgt. Sie wird daher auch Suchdiät genannt. Bei der pseudoallergenen Diät werden vermutete Auslöser oder alle pseudoallergenreichen Lebensmittel für einen begrenzten Zeitraum vermieden.
Dabei gibt es zwei verschiedene Vorgehensweisen:
- Besteht ein konkreter Verdacht, werden gezielt ein oder wenige Inhaltsstoffe weggelassen
- Liegt noch kein Anhaltspunkt für den Auslöser der Pseudoallergie vor, wird ungezielt gesucht. Es werden alle bekannten Auslöser vermieden. Dieses Vorgehen wird oft bei chronischen Beschwerden wie der Urtikaria oder dem Quincke-Ödem angewandt.
Gehen mit der Diät die Symptome deutlich oder sogar komplett zurück, wird stationär ein Provokationstest durchgeführt. So wird der pseudoallergene Stoff klinisch bestätigt.
Tritt keine Besserung der Symptome ein, wird eine 5-7 Tage dauernde, strenge (oligo)allergene Basisdiät empfohlen, deren Lebensmittel auf den individuellen Fall abgestimmt werden.
Bessern sich unter dieser zweiten Diät die Symptome ebenfalls nicht, muss davon ausgegangen werden, dass Lebensmittel oder deren Inhaltsstoffe nicht die Ursache sind. Damit kann auf einen Provokationstest verzichtet werden.
In ganz seltenen und schwierigen Fällen kann zusätzlich eine Spezialuntersuchung mit hypoallergener Flüssigkost notwendig sein, die nur an spezialisierten Klinikzentren durchgeführt wird. Auch die Durchführung der Kartoffel-Reis-Diät ist eine seltene Folgediät.
4. Provokationstest nach der Diätphase
Klingen bei der pseudoallergenarme Diät die Beschwerden ab, ist dies ein Indiz für eine Pseudoallergie. Eine eindeutige Diagnose kann jedoch nur gestellt werden, wenn die Aufnahme von Pseudoallergenen nach der Diät die Symptome wieder aufflammen lässt.
Aufgrund der Gefahr eines anaphylaktischen Schocks (anaphylaktischen Reaktion) sollte dieser Provokationstest bei einem Arzt stattfinden.
Der Arzt sollte dabei auch eine doppelblinde Placebokontrolle durchführen, um die eigene Erwartungshaltung und die des Patienten auszuschalten. Bei diesem Verfahren wird die Reaktion auf das Pseudoallergen mit der Reaktion auf ein Scheinallergen (Placebo) verglichen, wobei weder der Untersucher noch der Betroffene wissen darf, was gerade verabreicht wird (doppelblind).
Provokationstest, wenn ein konkreter Verdacht besteht
Bei diesem Test wird der Pseudoallergie-verdächtige Stoff in steigender Dosierung gegessen und Symptome der Pseudoallergie beobachtet. Gibt es eine Reaktion, ist das Testergebnis positiv und der pseudoallergene Stoff (das Pseudoallergen) klinisch bestätigt. Dieses Verfahren wird so oft wiederholt, bis alle in Frage kommenden Pseudoallergene geprüft wurden. Danach steht für den Betroffenen fest, was er zukünftig meiden muss.
Provokationstest, ohne konkreten Verdacht
Der orale Provokationstest versagt oft bei Lebensmittelzusatzstoffen wie Farbstoffen, Benzoaten, Sulfiten und Antioxidantien. Daher wird statt des klassischen Provokationstests mit isolierten Allergenen eine pseudoallergenreiche Provokationskost empfohlen - eine „Supermahlzeit“, die reich an Zusatzstoffen und an biogenen Aminen und natürlichen Aromastoffen ist.
Diese „Supermahlzeit“ soll die alltägliche Ernährungssituation des Patienten besser simulieren, als die Provokation mit Einzelsubstanzen. Auch dieser Test wird von einem Arzt begleitet.
Treten nach Verzehr der „Supermahlzeit“ Symptome auf, werden Zusatzstoffe in größeren Paketen zum Schlucken verbreicht und die Reaktionen beobachtet.
Gibt es erneut eine Reaktion, ist das Testergebnis positiv und so wird der pseudoallergene Stoff (das Pseudoallergen) immer weiter eingegrenzt.
Bei vorbekanntem Asthma bronchiale oder bei anaphylaktoiden Reaktionen ist die Testung der Einzelsubstanzen mit „einschleichender“ Dosierung erforderlich.
Ergibt sich lediglich eine positive Reaktion auf die pseudoallergenreiche Provokationskost (die Supermahlzeit) und nicht auf die isolierten Stoffe, erfolgt ein langsamer Kostaufbau, bei dem alle drei Tage ein vorher verbotenes Lebensmittel ergänzt wird, bis im Idealfall eine individuelle „therapeutische Diät“ empfohlen werden kann.
Beispiel zum Kostaufbau: Ein Patient, der gerne Birnen mag, isst nach der pseudoallergenarmen Diät an drei aufeinander folgenden Tagen jeweils mindestens eine Birne. Sollten in dieser Zeit keine Symptome auftreten, so können die Birnen in die reguläre Diät übernommen und ein nächstes Lebensmittel getestet werden.
5. Ernährungstagebuch / Symptomtagebuch
Um die Symptome und einen Zusammenhang zwischen Lebensmitteln zu erforschen, hilft ein Ernährungs- und Symptomtagebuch. Hier notieren Sie genau und mit Uhrzeit,
- was Sie essen und trinken,
- welche Medikamente Sie nehmen
- welche Symptome (z. B. Kopfschmerzen) aufgetreten sind und
- weitere Faktoren, wie z. B. Stress
Die pseudoallergenarme Diät wird immer mit einem Ernährungs-Beschwerde-Protokoll begleitet, denn erst in der Beobachtung über einen längeren Zeitraum ist ein Rückschluss über die Herkunft von Beschwerden möglich.
Es ist häufig ratsam bereits vor dem Arztbesuch mit den Aufzeichnungen zu beginnen. Dem behandelnden Arzt fällt damit eine Eingrenzung der Symptome und Ursachen deutlich leichter.