Lektine in Lebensmitteln
Lektine stecken in vielen pflanzlichen Lebensmitteln. Der Einfluss von Lektinen auf die Darmgesundheit und das Immunsystem rücken Lektine verstärkt in den Fokus.
Was sind Lektine?
Lektine sind Proteine, die in vielen pflanzlichen Lebensmitteln vorkommen. Sie schützen die Pflanze vor Schädlingen. Als Abwehrmechanismus gegen Feinde wirken sie giftig. Außerdem können sie sich an Kohlenhydrate binden und biologische Prozesse verändern. Es gibt viele unterschiedliche Lektin-Arten, zum Beispiel Phasin in Bohnen oder Phytohämagglutinin in Kidneybohnen. Auch Weizenkeimagglutinin (WGA) gehört dazu – nicht zu verwechseln mit Gluten, dem Klebereiweiß im Getreide. Ihre Wirkung beim Menschen wird derzeit vielfach wissenschaftlich untersucht.
Wo kommen Lektine vor?
Lektine sind in vielen pflanzlichen Nahrungsmitteln enthalten, insbesondere in Hülsenfrüchten (wie Linsen, Kichererbsen und Bohnen), Getreide (wie Dinkel, Haferflocken und Reis) und einigen Gemüsesorten (z. B. Tomaten, Zucchini, Paprika und Kartoffeln). Auch Lebensmittel wie Chiasamen, Leinsamen, Hanfsamen und Quinoa enthalten Lektine.
Lektine Lebensmittel-Liste
Diese Liste zeigt Lebensmittel, die wenig Lektine haben oder lektinfrei sind und lektinhaltige Lebensmittel in der Übersicht.
Lektinarme, lektinfreie Lebensmittel |
Lektinreiche Lebensmittel |
|---|---|
Nüsse und SamenMacadamiaMandeln, blanchiert Walnüsse Pinienkerne Pistazien Pekannüsse Kokosnüsse Haselnüsse Kastanien Kokosmehl Mandelmehl und Mandelmus (aus blanchierten Mandeln) |
Nüsse und SamenCashewkerneChiasamen Erdnüsse Hanfsamen Kürbiskerne Leinsamen Mandeln mit Haut Schwarzkümmelsamen Sesam Sonnenblumenkerne Nussmus und Nussmehle aus lektinreichen Nüssen |
GemüseAlgenArtischocken Blattkohl Blumenkohl Brokkoli Champignons, braun Fenchel Grünkohl Karotten Knoblauch Kohlrabi Kräuter, alle Sorten, z.B. -Basilikum -Petersilie -Koriander -Minze -Schnittlauch Lauch Mangold Okra Pak Choi Pastinaken Rucola Rettich Radieschen Rote Beten Rosenkohl Süßkartoffeln Salat, alle Sorten Spargel Spinat Sellerie Weißkohl |
GemüseAuberginenAusternpilze Butternut Kürbis Champignon, weiß Chili Gurken Hokkaido Kürbis Kartoffeln (durch Kochen stark reduziert) Kürbis, alle Arten Mais Paprika Rübe Tomaten Zwiebeln Zuckerschoten Zucchini |
Hülsenfrüchtekeine |
HülsenfrüchteAckerbohnenEdamame (junge Sojabohne) Erbsen Bohnen (alle Sorten) Gartenbohnen Grüne Bohnen Jackbohnen Kidneybohnen Sojabohnen Sojaprodukte, wie Tofu, Tempeh, Sojaschnetzel, Linsen (alle Sorten) Kichererbsen Durch Einweichen und ausreichend Kochen wird der Lektingehalt stark reduziert. |
GetreideAmarantHirse Millet-Hirse Sorghum Hirse |
GetreideEinkornBuchweizen Dinkel Gerste Gerstengras Kamut Hafer Mais Maisprodukte, wie - Cornflakes - Maisstärke - Popcorn Quinoa Reis Reiskleie Roggen Weizen Weizengras Weizenkeime Wildreis |
ObstAvocadoBlaubeeren Brombeeren Himbeeren Erdbeeren Zitrusfrüchte |
ObstBananenHolunderbeeren Gojibeeren Melonen, alle Arten |
Sonstige LebensmittelKaffee |
Sonstiges |
Diese Liste wird in Kürze als PDF zum Ausdrucken bereitgestellt.
Lektingehalt in Lebensmitteln senken
Folgende Maßnahmen neutralisieren und reduzieren den Lektingehalt in Lebensmitteln:
- Einweichen: Hülsenfrüchte wie Kichererbsen, Linsen und Bohnen sollten mindestens 12 Stunden eingeweicht und anschließend gründlich gespült werden.
- Kochen: Lektine werden durch hohe Temperaturen zerstört. Keinen Schongarer benutzen. Kochen im Topf funktioniert. Ein Schnellkochtopf erreicht je nach Druckstufe etwa 115–120 Grad. Diese hohen Temperaturen bauen Lektine besonders zuverlässig ab. Hitzestabile Lektine sind selten. Ein Beispiel ist Weizenkeimagglutinin im Weizenkeim. Hülsenfrüchte aus Konserven sind übrigens bereits vorgekocht.
- Fermentieren: Fermentation (Gärung) baut Lektine ab und macht Lebensmittel bekömmlicher siehe Beispiel. Auch lange Ruhezeiten bei Brotteigen, wie beim Sauerteigbrot, wirken so.
- Keimen: Das Keimen von Samen und Getreide reduziert den Lektinanteil.
- Schälen: Die äußere Schale von Kartoffeln oder Hülsenfrüchten entfernen. Geschältes Getreide verwenden. Weißmehl hat deutlich weniger Lektine als Vollkorn.
Besonders viele Lektine stecken in Hülsenfrüchten wie Kidneybohnen, Linsen und Kichererbsen. Roh oder unzureichend gegart können sie zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen – bereits wenige rohe Kidneybohnen reichen dafür aus. Deshalb sind Einweichen und gründliches Kochen bei Hülsenfrüchten immer Pflicht, nicht optional. Empfindliche Menschen können zusätzlich von weiteren Maßnahmen oder dem Meiden von Lektinen profitieren.
Beispiel Fermentation von Getreide
- Haferkörner (ganzes Korn oder Vollkorn gewalzt) mindestens 12 Stunden einweichen
- Einweichwasser wegschütten
- Anschließend mit Wasser und 1 Spritzer Zitrone in einem mit einem Tuch abgedeckten Glas im Kühlschrank für mindestens 12 Stunden fermentieren.
Durch die Fermentation wird das eingeweichte Getreide mit Hilfe von Mikroben verstoffwechselt, vorverdaut und Lektine werden weiter reduziert bzw. abgebaut.
Warum bekommen Lektine so viel Aufmerksamkeit?
Zur Rolle von Lektinen im Immunsystem wird in den letzten Jahren viel geforscht. Erste Studien deuten darauf hin, dass Lektine die Darmbarriere durchlässiger machen können – dieses Phänomen wird oft als Leaky-Gut bezeichnet.
Die Reduzierung von Lektinen in der Ernährung könnte bei bestimmten Autoimmunerkrankungen (wie Hashimoto, Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa, rheumatoider Arthritis oder Zöliakie) oder dem Reizdarmsyndrom und anderen Entzündungskrankheiten relevant sein. Der Zusammenhang mit Autoimmunreaktionen wird aktuell erforscht, gilt aber noch nicht als wissenschaftlich gesichert.
Eine lektinfreie Ernährung birgt die Gefahr einer einseitigen Ernährung, die auf viele gute Nährstoffe, Ballaststoffe und Antioxidantien verzichtet und vielleicht so sogar Probleme schafft. Sie schränkt außerdem die Lebensqualität ein. Keinesfalls sollte daher eine lektinarme Ernährung dauerhaft ohne Grund erfolgen.
Da positive Effekte einer lektinfreien Ernährung nicht bewiesen sind, führt dies zu Diskussionen und Verunsicherungen von Experten der Ernährungswissenschaften und Betroffenen.
Übrigens: Auch die Krebsforschung untersucht Lektine. In Labor- und Tierstudien erkennen manche Lektine Krebszellen und bremsen deren Wachstum. Für die Ernährung von Krebspatienten lässt sich daraus bisher keine Empfehlung ableiten – die Forschung steht noch am Anfang.
Fazit: Sind Lektine schädlich?
Während einige Studien auf die potenziellen Gefahren von Lektinen hinweisen, betonen andere die gesundheitsfördernden Eigenschaften vieler lektinhaltiger Lebensmittel. Nach dem jetzigen Stand der Wissenschaft, sind Lektine für gesunde Menschen in den meisten Fällen unbedenklich, wenn die Lebensmittel richtig zubereitet werden.
Bei Autoimmunerkrankungen oder empfindlichem Darm kann eine lektinarme Ernährung im Einzelfall helfen. Kläre das vorher mit einer Ernährungsfachkraft oder deinem Arzt ab – besonders, wenn du ganze Lebensmittelgruppen streichen willst.
Quellen
- Moin, Kayvon et al: Gut-brain axis: Review on the association between Parkinson's disease and plant lectins, 12/22, DOI: 10.22551/2022.37.0904.10228
- Aristo Vojdani: Lectins, agglutinins, and their roles in autoimmune reactivities, 2015
- Zabczynska, Marta et al: Altered N-glycan profile of IgG-depleted serum proteins in Hashimoto's thyroiditis, 03/2020 DOI: 10.1016/j.bbagen.2019.129464
- Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET), Lektine in Lebensmitteln: Freund oder Feind?, Oktober 2024
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Krank durch Lektine in Pflanzenkost?, 02/2024, bfr.bund.de
- Saranov, Artem: Kritik an Getreide: Darum lohnt sich Vollkorn, UGBforum 1/2023, ugb.de
Alle Internetlinks geprüft am 06. Juni 2026, letzte Aktualisierung am 24. August 2026.