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Rezepte bei Lebensmittelunverträglichkeit & Allergie glutenfrei, laktosefrei, histaminarm, ohne Weizen, fructosefrei, ohne Ei

Ernährungsberatung

Bei Übergewicht, Reizdarm, Diabetes oder Unverträglichkeit hilft eine qualifizierte Ernährungsberatung. Aber der Begriff Ernährungsberater ist nicht geschützt und eine gute Ernährungsberatung gar nicht so leicht zu finden. Was passiert bei der Ernährungsberatung eigentlich und wie kriege ich einen Zuschuss von der Krankenkasse? 

Diese und weitere Antworten zum Thema Ernährungsberatung erfahren Sie in diesem Artikel:

Bei welchen Krankheiten hilft eine Ernährungstherapie?

Ernährung als Medizin: Die Ernährungsmedizin ist einer der ältesten Heilkünste. Erst in neuster Zeit spielt sie wieder eine größere Rolle in der Gesellschaft. 80% der Erkrankungen sind ernährungsbedingt und können mit Ernährungstherapie geheilt oder häufig auch verhindert werden. Ernährungsmedizin spielt in fast jedem Fachbereich der Medizin eine Rolle.

Ernährungsberatung und Ernährungstherapie helfen bei folgenden Beschwerden oder chronischen Erkrankungen:

  • Lebensmittelunverträglichkeiten (Laktoseintoleranz, Fructoseintoleranz, Fructosemalapsorption, Zöliakie, Glutenunverträglichkeit, Glutensensitivität, Histaminintoleranz)
  • Lebensmittelallergien (z.B. Hühnereiweißallergie, Nussallergie, Erdnussallergie, Haselnussallergie, Fischallergie, Soja-Allergie, Kreuzallergie, Weizenallergie)
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen 
  • Nährstoffmangel (z.B. Eisenmangel)
  • Altersgebrechen (Muskelschwund im Alter, Knochenbrüche)
  • vermehrte Infektneigung
  • Arteriosklerose
  • Durchblutungsstörungen
  • Bluthochdruck
  • Herzrhythmusstörungen
  • Metabolisches Syndrom
  • Übergewicht (Adipositas)
  • Diabetes mellitus Typ I / II, Prädiabetes, Schwangerschaftsdiabetes, Insulinresistenz
  • erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin, Triglyzeride)
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Nierenerkrankungen, Nierensteine, Dialyse
  • Gallensteine
  • Migräne
  • ADHS
  • Gelenkerkrankungen (Rheuma, Arthritis, Arthrose)
  • Krebserkrankungen (Magen-Darm-Karzinome)
  • Osteoporose
  • Magen- und Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Refluxkrankheit, Reizdarm-Symdrom, chronische Verstopfung, Divertikulose)
  • Hauterkrankungen (Atopische Dermatitis, Rosazea, Neurodermitis, Psoriasis)
  • Übergewicht im Kindesalter
  • Essstörungen (Binge Eating, psych. Essattacken, Magersucht, Bulimie)
  • Untergewicht, Mangelernährung
  • Lebererkrankungen (nicht alkoholische Fettleber, Leberzirrhose, Hepatits)
  • Entzündung der Bauchspeicheldrüse/ Pankreatitis
  • Stoffwechselerkrankungen (Gicht, Hyperurikämie, Phenylketonurie PKU, Mukoviszidose, Fettstoffwechselstörungen, Dyslipidämien)
  • Multiple Sklerose
  • Aids
  • Schluckbeschwerden
  • Schlaganfall
  • Krankheiten der Schilddrüse

Eine Ernährungsberatung braucht nicht unbedingt nur, wer krank ist. Auch als Vorsorge sind Ernährungskurse bei vielen Krankenkassen anerkannt und werden bezuschusst. 

Inhalte & Dauer einer Ernährungsberatung

Eine klassische Ernährungsberatung umfasst zirka 5 Gesprächstermine. Wie viele Termine es tatsächlich werden, hängt ab

  • vom Konzept des Beraters
  • den Erfolgen der Ernährungsberatun
  • der individuellen Erkrankung /Beschwerden.

Die Erstberatung dauert meist eine Stunde. Die Folgetermine sind überwiegend etwas kürzer. Je nach Berater ist mit einer halben bis dreiviertel Stunde zu rechnen.

Der erste Ernährungsberatungstermin

Im Erstgespräch macht sich der Ernährungsberater ein Bild über ihren Gesundheitszustand und ihre aktuelle Ernährung. Dafür schaut er sich Ihr Ernährungstagebuch an oder erfragt, wie Ihre tägliche Ernährung ganz konkret aussieht. Auch aktuelle Laborwerte werden vom Ernährungsberater angesehen und einbezogen. 

Inhalte der Ernährungsberatung

In den nachfolgenden Sitzungen werden Schritt für Schritt Anpassungen an Ihrem Essverhalten und Ihrer Ernährung vorgenommen. Der Ernährungsberater:

  • erklärt, wie Ihre Krankheit entstanden ist und was Ihre Ernährung damit zu tun haben kann,
  • erläutert, welche Lebensmittel schlecht für ihr Krankheitsbild sind und warum,
  • gibt Ihnen Alternativen für zu vermeidende Lebensmittel, 
  • gibt Tipps beim Einkauf der Lebensmittel, z.B. “Wo bekomme ich die Lebensmittel?” “Wie lese ich die Zutatenliste?”,
  • gibt Ihnen ein Ernährungs- und Beschwerdetagebuch und erklärt wie es ausgefüllt wird. Er wertet das Tagebuch aus und gibt Ihnen individuelle Ernährungsempfehlungen, die manchmal von Sitzung zu Sitzung angepasst werden müssen.
  • gibt Ihnen konkrete Rezepte oder Rezeptsammlungen für Ihre individuellen Beschwerden.
  • bespricht mit Ihnen Probleme in der Umsetzung ihrer Diät.

Wie wähle ich den richtigen Ernährungsberater?

Ernährungsberater gibt es viele. Doch wie wähle ich einen kompetenten Ernährungsberater, der mir wirklich gut helfen kann? Worauf muss ich dabei achten? Bei der Auswahl ihres Ernährungsberaters sollten Sie die vier nachfolgenden Punkte berücksichtigen:

1. Achten Sie auf die Ausbildung ihrer Ernährungsfachkraft

In Deutschland ist der Begriff Ernährungsberater nicht geschützt. Daher gibt es viele unseriöse Anbieter, die nur einen Wochenendkurs oder ein Onlineseminar belegt haben. Um einen seriösen Berater zu finden, sollten Sie auf die Ausbildung achten.

Eine fundierte Ausbildung haben folgende Ernährungsfachkräfte:

  • staatlich geprüfte Diätassistenten und 
  • Ökotrophologen
  • Ernährungswissenschaftler
  • Diplom-Ingenieure Ernährungs- und Hygienetechnik, Schwerpunkt „Ernährungstechnik“ 
  • Diplom-Ingenieure Ernährung und Versorgungsmanagement, Schwerpunkt „Ernährung“ oder
  • Ärzte

Die erstgenannten Berufsgruppen haben sich mindestens drei Jahre lang intensiv mit dem Thema Ernährung auseinandergesetzt. 

2. Achten Sie auf die Zertifizierung ihrer Ernährungsfachkraft

Zertifizierungen sind ein zweites wichtiges Qualitätsmerkmal, um qualifizierte Ernährungsfachkräfte von Unseriösen zu erkennen. Zertifikate sind anerkannte Zusatzqualifikationen für die Ernährungsberatung. Nur mit diesen Zertifikaten wird die  Ernährungsberatung anteilig von den Krankenkassen bezahlt. Eine Zertifizierung erhalten nur Ökotrophologen und Diätassistenten usw., die sich regelmäßig weiterbilden. Weiterbildung ist im Bereich Ernährung von großer Bedeutung, da immer wieder neue Informationen erforscht werden.

Zertifizierungen der folgenden fünf Vereine erfüllen die Richtlinien der deutschen Krankenversicherungen. Das bedeutet, nur Ernährungsberatungsleistung von Ernährungsberatern mit diesen Zertifikaten können Sie bei der Krankenkasse einreichen: 

Ärzte benötigen einen Fortbildungsnachweis gemäß Curriculum Ernährungsmedizin der Bundesärztekammer. 

3. Sympathie und Vertrauen sind das A und O einer erfolgreichen Beratung

Ernährung ist ein sehr persönliches Thema. Wählen Sie einen Ernährungsberater, mit dem Sie offen sprechen können und dem Sie vertrauen. Wichtig ist, dass Sie sich bei ihrem Ernährungsberater wohlfühlen. Unangenehme Themen wie ihre Beschwerden können so viel leichter angesprochen werden.

4. Erfahrung, Weiterbildungen und Spezialisierungen -  das Tüpfelchen auf dem i

Damit Ihr Berater sie gut unterstützen kann, sind Erfahrungen des Ernährungsberaters, besonderes Fachwissen und Spezialisierungen von Bedeutung. Informieren Sie sich, in welchen Bereichen ihr Ernährungsberater seine Schwerpunkte legt. Meist gilt: Je präziser die Spezialisierung des Beraters, desto tiefgehender ist auch seine Kompetenz in diesem Bereich. Auch Weiterbildungen können ein Merkmal von Expertise darstellen.

Häufig können Sie der Internetseite ihres Beraters oder Arztes viele Informationen entnehmen. Sollte dies nicht möglich sein, scheuen sie sich nicht, vor dem Erstgespräch die Qualifikationen in einem Vorgespräch zu erfragen.

Bei Lebensmittelallergien eignen sich besonders Berater die das Zertifikat „Ernährungsfachkraft Allergologie“ des Deutschen Allergiker und Asthmabund e.V. (DAAB) besitzen. Wohingegen Patienten mit Reizdarm oder Diabetes auf Spezialisierungen und Erfahrungen in diesen Gebieten achten sollten.  

Unabhängig & werbefrei soll die Beratung sein

Übrigens: Von den Krankenkassen anerkannte und unabhängige Ernährungsberater haben sich verpflichtet, keine Produktwerbung zu betreiben und keine Produkte zu verkaufen. Sie sollen unabhängig von Marken und Herstellern informieren und keine Produkte oder Nahrungsergänzungsmittel bewerben oder verkaufen.

Wie finde ich einen Ernährungsberater in meiner Nähe?

Besonders einfach können Sie auch einen Berater über das Internet finden. Natürlich könnten Sie einfach nach "Ernährungsberatung" googeln, aber in der Ergebnisliste mischen sich dann auch schlecht qualifizierte und unseriöse Angebote.

Die nachstehenden Suchmaschinen führender Verbände und Institutionen vermitteln Sie besser zu gut ausgebildeten Ernährungsberatern in Ihrer Nähe, dessen Leistungen Sie auch von der Krankenkasse bezahlt bekommen. Es gibt leider keine zentrale Suchmöglichkeit nach Ernährungsberatern.

Fragen Sie Ihren behandelnden Arzt oder Ihre Krankenkasse nach einem guten Ernährungsberater für ihre Beschwerden. Insbesondere Gastroenterologen arbeiten häufig mit Ernährungsfachkräften zusammen. Zudem haben zahlreiche Krankenversicherungen interne Ernährungsberater oder bieten ihnen Unterstützung bei der Suche.

Arztpraxen für Ernährungsmedizin

In Deutschland gibt es derzeit einige wenige Arztpraxen, die sich auf Ernährungsmedizin spezialisiert haben. In diesen Praxen werden Sie umfassend betreut durch ein Team aus spezialisierten Ärzten und Ernährungsfachkräften, teilweis auch Psychologen. Sie finden Praxen in Ihrer Nähe auf der Internetseiten des Bundesverbandes Deutscher Ernährungsmediziner e.V. mit einer Umkreissuche.

Welche Kosten erwarten mich?

Eine individuelle Ernährungsberatung hat ihren Preis: 70 bis 140 Euro kostet eine Ernährungsberatungsstunde. In vielen Fällen wird eine Ernährungsberatung zu 80 bis 100% von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Voraussetzung für einen Krankenkassenzuschuss

Die gesetzlichen Krankenkassen bezuschussen in der Regel einmal pro Jahr eine Ernährungsberatung. Sie zahlen in der Regel 80% bis 100% der Kosten. Auch private Krankenversicherungen und die Beihilfestellen übernehmen häufig einen Teil der Beratungskosten.

Um die Ernährungsberatung bezahlt zu bekommen, muss Ihr Arzt Ihnen eine Bescheinigung über die medizinische Notwendigkeit oder ein Rezept ausstellen. Mit der sogenannten ärztliche Notwendigkeitsbescheinigung empfiehlt ihr Arzt eine Ernährungstherapie. Diese Bescheinigung müssen Sie vor dem ersten Termin bei Ihrer Krankenkasse einreichen, um zu klären ob Kosten erstattet werden.

Fünf Schritte zur Kostenübernahme der Ernährungsberatung

  1. Besorgen sie sich eine ärztliche Notwendigkeitsbescheinigung oder ein Rezept von ihrem Arzt. Sollte ihr Arzt unsicher bei der Unterzeichnung der Empfehlung sein, können Sie ihn darauf hinweisen, dass damit sein ärztliches Budget nicht belastet wird.

  2. Suchen Sie sich einen Ernährungsberater, der berechtigt ist Ernährungsberatungen abzurechnen und fordern Sie bei ihm ein Angebot /Kostenvoranschlag für eine Ernährungsberatung an.

  3. Unbedingt vor dem ersten Beratungstermin: Stellen Sie ein Antrag zur Kostenübernahme bei ihrer Krankenversicherung und legen Sie dem Antrag bei:
    • die Notwendigkeitsbescheinigung bzw. das Rezept des Arztes und
    • den Kostenvoranschlag des Ernährungsberaters.

  4. In der Regel werden Sie per Post über die die Kostenübernahme informiert und können mit der Ernährungsberatung beginnen.

  5. Nach Beendigung der Ernährungsberatung können Sie alle Rechnungen bei ihrer Krankenversicherung einreichen. So erhalten Sie einen Großteil der entstandenen Kosten zurück.

Hinweis: Bei manchen Ernährungsberatern besteht die Möglichkeit direkt mit der Krankenkasse abzurechnen So müssen Sie ihre Rechnungen nicht selbst einreichen; die Abrechnung wird dann für sie abgewickelt.

Ernährungsberatung für Kinder

Genau wie Erwachsenen steht auch Kindern oder Jugendlichen eine Ernährungsberatung zu. Kinder aller Altersgruppen können Essstörungen entwickeln, auch Krankheiten und Unverträglichkeiten können eine Ernährungsberatung notwendig machen. Die Antragstellung bei der Krankenversicherung und der Ablauf der Beratungstermine sind identisch.

Je nach Alter des Kindes spielen die Eltern in der Ernährungstherapie eine große Rolle. Während Teenager größtenteils ihre Lebensmittel selbst auswählen, sind Klein- und Schulkinder auf ihre Eltern angewiesen. Daher können Eltern Beratungsgespräche mit ihren Kindern gemeinsam wahrnehmen. Teilweise gibt es auch Sitzungen ohne die Kinder. Dies wird individuell mit dem Berater beschlossen.

Fazit & Zusammenfassung

Eine professionelle Ernährungsberatung hilft bei vielen Krankheiten und Beschwerden und unterstützt dabei Ernährungsziele tatsächlich umzusetzen. Wer sich zu spät oder nie um seine ernährungsbedingten Krankheiten kümmert, leidet unnötig und muss vielleicht jahrelang Tabletten einnehmen. Eine Ernährungsberatung lohnt sich also in jedem Fall, wenn man etwas ändern möchte.

Um den richtigen Ernährungsberater für Ihre Beschwerden zu finden, sollten Sie auf die Qualifikation und Spezialisierung des Beraters achten und die einschlägigen Suchmaschinen der Fachverbände betätigen. Denn: Wählen Sie hier einen qualifizierten Ernährungsberater, besteht eine gute Chance 80 % bis 100 % der Kosten der Ernährungsberatung von der Krankenkasse bezahlt zu bekommen. Dafür ist es wichtig vor der Behandlung, mit dem behandelnden Arzt und der Krankenkasse zu sprechen, um die Erstattung der Kosten in die Wege zu leiten.

Quellen zum Text Ernährungsberatung

  1. Ute Brehme: "Qualifikation für die primärpräventive Ernährungsberatung, Anforderungen für die Zertifikate/die Registrierung im Überblick", Bonn, Ernährungs-Umschau 07/2014
  2. VDOE-Arbeitskreis Grundsatzfragen: Honorarempfehlungen für Leistungen von selbstständig arbeitenden Oecotrophologen und Ernährungswissenschaftlern im Rahmen der Prävention, Ernährungsberatung und Ernährungtherapie, BerufsVerband Oecotrophologie e.V.,Stand 02/2014
  3. Kahl, Kristin: Cara Care: Individuelle Ernährungsberatung per App, Dtsch Arztebl 2018; 115(25): A-1227 / B-1032 / C-1024 
  4. Deutscher Allergie-und Asthmabund (DAAB): Ernährungsberatung
  5. Die Ernährungs-Docs Autor/in: Jan Kristian Wiemann, Video mit Matthias Riedl "Was die Ernährungstherapie so wichtig macht", 4:07 Minuten
  6. Dr. Brehme, Ute; Kroll, Silke;  Müller, Anne; Woyke, Michael: Schritt für Schritt zum Zertifikat, Qualitätssicherung in der Ernährungsberatung, Ernährung im Focus0 3-04 2018

Alle Internetlinks abgerufen am 12. August 2019
Autor: Sabine Theiding

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