Eine entzündungshemmende Ernährung zeichnet sich durch folgende 4 Merkmale aus:
- Fette bewusst wählen
- Wenig Zucker und Stärke
- Reichlich Ballaststoffe und fermentierte Lebensmittel
- Viele Vitamine und Mineralstoffe
Chemische Zusatzstoffe in Lebensmitteln solltest du so weit wie möglich vermeiden. Sie belasten die Verdauung zusätzlich mit körperfremden Substanzen.
Das A und O bei Entzündungen: Fettsäuren
Fettsäuren können Entzündungen anfachen oder lindern, je nach Art ihrer chemischen Komposition. Das Schlüsselwort dabei lautet Eicosanoide. Diese Substanzen sind an zahlreichen Stoffwechselvorgängen beteiligt, unter anderem der Blutgerinnung und Entzündungen.
Vor allem drei verschiedene Fettsäuren spielen bei Entzündungen eine entscheidende Rolle:
- Omega-6: Arachidonsäure und Linolsäure
- Omega-3: Eicosapentaensäure (EPA), Docosahexaensäure (DHA) und Alphalinolensäure (ALA)
Die Arachidonsäure (Omega-6) liefert die Bausteine für entzündungsfördernde Botenstoffe 9, vor allem die Eicosanoide Prostaglandine und Leukotriene 10. Deshalb solltest du diese Fettsäure so weit wie möglich vermeiden. Das erklärt auch, warum du kein Fleisch bei Rheuma essen solltest: Arachidonsäure kommt nur in tierischen Lebensmitteln vor, zum Beispiel in Schweinefleisch, Wurst, Schweineschmalz, aber auch in Eigelb und Camembert. Magere Milchprodukte und mageres Fleisch liefern relativ wenig Arachidonsäure.
Die Omega-6 Fettsäure Linolsäure wirkt ebenfalls entzündungsfördernd, wenn zuviel davon gegessen wird. Sie kommt hauptsächlich in Sonnenblumenöl, Erdnüssen, Sesam, Mandeln, Maiskeimöl vor.
Körper bevorzugt Omega-3-Fettsäuren
Die Omega-3-Fettsäuren EPA, DHA und ALA hemmen dagegen die entzündungsfördernden Effekte Omega-6 Fettsäuren auf zweifache Weise. Sind sie im Körper anwesend, bevorzugt er Omega-3 für die Bildung von Eicosanoiden. Omega-3 verdrängen Arachidonsäure also aus dem Stoffwechsel. Außerdem stellt der Metabolismus aus EPA und DHA Botenstoffe her, die Entzündungen entgegenwirken, vor allem die Eicosanoide Resolvine und Protectine 11 12.
Es gibt viele Omega-3 reiche Lebensmittel. Eine gute Quelle ist fetter Fisch wie Makrelen, Heringe, Sardellen und Lachs. Omega-3-Fettsäuren aus Pflanzen, Alphalinolensäure (ALA), kann der Körper zu einem geringen Prozentsatz in entzündungshemmende EPA und DHA umbilden 13.
Die Empfehlungen im Rahmen der Rheumadiät lauten, mindestens zwei bis dreimal pro Woche fetten Fisch zu verzehren. Mit Omega-3-Kapseln solltest du vorsichtig sein, denn der Herstellungsprozess ist hochkompliziert und denaturiert die Fettsäuren. Veganer und Umweltbewußte können auf Algenölprodukte (Salatöl mit Algenöl oder Algenölkapseln) zurückgreifen. Sie enthalten ebenfalls EPA und DHA.
Zucker und Stärke: Weniger ist mehr
Einfache Kohlenhydrate gehören ebenfalls zu den Substanzen, die entzündliche Prozesse fördern. Weißes Mehl, weißer Reis, Zucker und zuckerähnliche Stoffe wie Agavensirup oder Birnendicksaft enthalten große Mengen einfacher Kohlenhydrate. Forscher auf der ganzen Welt beschäftigen sich seit Jahren damit, auf welche Weise diese Stoffe entzündliche Prozesse fördern - oft gegen den Widerstand der Lebensmittelindustrie.
Fest steht, dass eine Diät mit viel Stärke und Zucker die Sterblichkeitsrate bei älteren Erwachsenen erhöht 14. Selbst geringe Mengen von gezuckerten Getränken wie Limonade und Cola lassen die Werte der Biomarker für Entzündungen - Glukosespiegel im nüchternen Zustand und C-reaktives Protein - in die Höhe schnellen 15. Außerdem erhöhen sie den Harnsäurespiegel im Blut 16, ein weiteres Anzeichen für Entzündungen, besonders bei Gicht 17.
Ballaststoffe und fermentierte Lebensmittel: Nahrung für das Immunsystem
Das Immunsystem ist bei allen rheumatischen Krankheiten besonders gefordert, denn es steuert alle entzündlichen Reaktionen. Deshalb liegt es auf der Hand, dass ein starkes Immunsystem mit Entzündungen besser zurechtkommt. Die Verdauung beeinflusst das Immunsystem direkt, denn der größte Teil des Immunsystems ist um den Darm herum angesiedelt. Ballaststoffe und fermentierte Lebensmittel stimulieren das Immunsystem auf mehrfache Weise 18.
Zum einen stärkt der direkte Kontakt mit Milchsäurebakterien die Zellen des Immunsystems. Zum anderen liefern Ballaststoffe Nahrung für die Darmflora, die sich wiederum günstig auf das Immunsystem auswirkt. Außerdem verringert eine Diät reich an Ballaststoffen die Menge von C-reaktivem Protein im Körper, ein Anzeichen für Entzündungen 19.
Leipziger Forscher finden neuen Mechanismus
Forscher der Universität Leipzig haben herausgefunden, welchen Mechanismus fermentierte Lebensmittel auslösen 20. Im Mittelpunkt der Studie stand der HCA3-Receptor, den nur Zellen von Menschen und Menschenaffen aufweisen. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass der Verzehr von Sauerkraut zu D-Phenylmilchsäure im Blut führt. Diese Substanz dient als Signalsystem für das Immunsystem und verringert Entzündungen.
Außerdem können Milchsäurebakterien im Darm Stoffe absondern, die durch die Darmwand ins Blut wandern. Diese Stoffe sind in der Lage, den Tumornekrosefaktor zu hemmen 21. Dieser Signalstoff des Immunsystems ist an entzündlichen Prozessen beteiligt.
Viele Vitamine und Mineralstoffe
Wer an einer chronischen Krankheit leidet, sollte soviel Vitamine und Mineralstoffe wie möglich essen. Um im Krankheitsfall gut zu funktionieren, benötigt der Körper zusätzliche Nährstoffe. Bekannt ist, dass Vitamin C das Immunsystem stärkt. Aber auch Vitamin D, Folsäure und Magnesium sind an Hunderten verschiedener Stoffwechselprozesse beteiligt. Außerdem wirken Vitamine und Mineralstoffe häufig als Antioxidantien, die freie Radikale vernichten.
Antioxidantien in Obst, Gemüse, Kräutern und Gewürzen helfen
Entzündungen belasten den Stoffwechsel verstärkt mit freien Radikalen. Das sind Atome und Moleküle, denen ein Elektron in der äußeren Hülle fehlt. Dieses Elektron reißen sie an sich, wo immer sie es finden. Auf diese Weise können sie massive Schäden verursachen. Nicht alle freie Radikale sind schädlich. Tatsächlich nutzt der Körper freie Radikale bei zahlreichen Prozessen, beispielsweise bei der Atmung 22.
Doch nichts im Leben läuft perfekt ab. Selbst ein gesunder Körper muss zahlreiche überflüssige Radikale unschädlich machen. Die Vitamine A, E und C schaffen das, indem sie ein Elektron abgeben - ohne sich selbst dabei in freie Radikale zu verwandeln. Die Spurenelemente Zink, Magnesium, Selen und Mangan dagegen unterstützen Enzymreaktionen, die freien Radikalen den Garaus machen.
Darüber hinaus enthalten frisches Obst und Gemüse sowie Kräuter und Gewürze zahlreiche sekundäre Pflanzenwirkstoffe mit antioxidantischer Wirkung. Antioxidantien verwandeln freie Radikale in harmlose Stoffe und verringern so oxidativen Stress, eine Begleiterscheinung von Entzündungen 23. Antioxidantien in Obst und Gemüse erkennen Sie an den Farben und am Geruch. Leuchtende Farbtöne und intensive Aromastoffe sind Anzeichen für Antioxidantien - beispielsweise der Geruch von Kohl, das leuchtende Purpur von Auberginen oder Grün von Avocados.