Pseudoallergenarme Diät

Die pseudoallergenarme Diät dient der Diagnose einer Pseudoallergie. Mit ihr wird ermittelt, ob eine Pseudoallergie vorliegt und welcher pseudoallergene Stoff die Symptome auslöst. Sie wird daher auch Suchdiät oder Auslassdiät genannt.

Pseudoallergenarme Diät Pseudoallergie

Einsatz findet die pseudoallergenarme Diät bei chronischer Urtikaria, Neurodermitis oder anderen Erkrankungen. Bei der pseudoallergenarmen Diät werden vermutete Auslöser für einen begrenzten Zeitraum vermieden. Es werden nur pseudoallergenarme Lebensmittel verzehrt. Diese Auslassdiät erfordert vom Patienten Geduld, Motivation und Disziplin.

Wie lange dauert die pseudoallergenarme Diät?

Die pseudoallergenarme Diät dauert mindestens vier Wochen.


Was darf ich bei der pseudoallergenarmen Diät essen?

Erlaubt: naturbelassene und selbst zubereitete Lebensmittel und Speisen

Verboten: Lebensmittel, die Aromastoffe, biogene Amine (z. B. Histamin), Salicylate, Konservierungsstoffe, Farbstoffe und Antioxidantien enthalten. Alle Obstsorten und einige Gemüsesorten sind verboten. Zusatzstoffe können in allen industriell verarbeiteten Lebensmitteln enthalten sein.

Alle Details entnehmen Sie der Tabelle "pseudoallergenarme Kost".

Hinweis: Diese pauschale Ernährungsregel gilt nur, wenn es keinen Anhaltspunkt für den Auslöser der Pseudoallergie gibt. Besteht bereits ein konkreter Verdacht, welches Pseudoallergen in Frage kommt, wird nur dieses gezielt weggelassen.


Wann wird eine pseudoallergenarme Diät angewendet?

Da die Pseudoallergie im Vergleich zur Allergie recht selten auftritt, die Symptome unspezifisch sind und die pseudoallergenarme Diät zeitaufwendig ist, wird sie generell erst dann durchgeführt, wenn alle anderen Krankheiten bereits ausgeschlossen sind und man keinen anderen Auslöser für die Symptome gefunden hat. Zusätzlich müssen die Symptome des Patienten bereits über einen längeren Zeitraum bestehen, bevor die Diät eingesetzt wird.

Es gibt Erkrankungen, die mit der Pseudoallergie in Verbindung stehen. Häufig wird die Diät bei diesen Krankheiten eingesetzt: bei Menschen mit chronischer Urtikaria (Nesselsucht), Neurodermitis, Quincke-Ödem, nicht allergischem Asthma bronchiale (intrinsisches Asthma) oder bei Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes.


Wie funktioniert die pseudoallergenarme Diät? Was muss ich beachten?

  • Ernährungs- und Beschwerdeprotokoll führen
    Die verzehrten Lebensmittel und Symptome sollten vom Patienten täglich in einem Ernährungstagebuch und Beschwerdeprotokoll dokumentiert werden. Auch der Schweregrad der Symptome sollte erfasst werden.

  • Medikamente
    Während der pseudoallergenarmen Diät sollten – soweit möglich – keine Medikamente eingenommen werden.

  • Unterstützung durch eine Ernährungsfachkraft
    Um Diätfehler zu vermeiden, ist eine umfassende Beratung durch eine Ernährungsfachkraft wichtig.

  • Selber kochen und backen hilft
    Weitreichendes Selbstherstellen von Speisen hilft dabei, Pseudoallergene konsequent zu meiden. Zusatzstoffe sind in Fertigprodukten nicht immer ausgewiesen. Sogenannte "Clean Labels" wie „natürlich“ oder"frei von Konservierungsstoffen" sind oft nur ein Verkaufstrick der Lebensmittelindustrie.

  • Zutatenliste studieren
    Sollten doch einmal verarbeitete Lebensmittel auf den Teller kommen oder zum Kochen oder Backen verwendet werden, muss die Zutatenliste sorgfältig studiert werden. Leider sind kritische Zusatzstoffe nicht immer leicht erkennbar. So werden zum Beispiel manchmal Gewürze wie Curry (enthält von Natur aus 2,2g Salicylsäure/kg) oder scharfe Paprika (2g Salicylsäure/kg) verwendet, die eine bakterizide und damit konservierende Wirkung haben. Verschiedene Senfsaaten enthalten natürlicherweise pHB-Ester (p-Hydroxybenzoesäureester) und auch Essig wird zum Konservieren verwendet. Diese Stoffe sind bei der pseudoallergenarmen Diät kritisch.
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  • Provokationstest nach der Diätphase
    Klingen bei der pseudoallergenarmen Diät die Beschwerden ab, ist dies ein Indiz für eine Pseudoallergie. Eine eindeutige Diagnose kann jedoch nur gestellt werden, wenn die Aufnahme von Pseudoallergenen nach der Diät die Symptome wieder aufflammen lässt. Der Provokationstest gehört zur pseudoallergenarmen Diät: er ist ebenso wie die Diät ein wesentlicher Teil der Diagnostik.

  • Diagnose und Heilung
    Die pseudoallergenarme Diät dient eigentlich nur der Diagnose der Pseudoallergie und ihrer Auslöser. Es gibt jedoch Beobachtungen, die in einigen Fällen die Heilung der Pseudoallergie durch die pseudoallergenarme Diät bestätigen.


Pseudoallergenarme Lebensmittel

Diese Liste "Lebensmittel zur pseudoallergenarmen Diät" wird nur angewendet, wenn es zu Beginn der Diät keinen konkreten Verdacht auf einen bestimmten Auslöser der Symptome gibt. 

Lebensmittel für die pseudoallergenarme Diät (Tabelle)

 

geeignete pseudoallergenarme Lebensmittel

Nicht geeignete Lebensmittel

Getreide, Pseudogetreide, Brot, Kuchen, Kekse, Pasta, Pizza
  • Brot, Brötchen ohne Zusatzstoffe - selbstgebacken oder frisch vom selbstbackenden Bäcker
  • Getreide (Weizen, Roggen, Dinkel, Gerste, Hafer, Reis, Mais) als Flocken, Mehl, Grieß, Schrot oder Stärke
  • Pseudo-Getreide (Amaranth, Hirse, Quinoa, Bulgur, Buchweizen)
  • Nudeln, Pasta z.B. Spätzle
  • abgepacktes (geschnittenes) Brot oder Brötchen aus dem Supermarkt mit Zusatzstoffen
  • abgepackte Kuchen, Torten, Biskuit, Waffeln, Kekse,
  • Fertigbackmischungen
  • Fertigpizza, Fertigaufläufe
  • Nudelprodukte wie, z.B. Tortellini, Ravioli

Gemüse /

Gemüseprodukte

  • Alle Gemüsesorten (frisch oder tiefgefroren) außer den rechts aufgeführten
  • Erlaubt sind beispielsweise Aubergine, Sellerie, Blumenkohl, Bohnen, Brokkoli, Chicorée, Chinakohl, Eisbergsalat, Endivie, Fenchel, Gurke, Karotten, rote Bete, Schwarzwurzeln, Spargel, Weißkohl, Zucchini
  • Artischocken, Erbsen, Pilze, Spinat, Rhabarber, Tomaten, Oliven, Paprika
  • Gemüse (Dose, Glas)
  • getrocknetes Gemüse (getrocknete Tomaten)
  • Tomatenmark, Tomatensoße, Ketchup
  • Suppen (aus Tüte, Dose oder Glas)
  • Gemüsefertiggerichte, z.B. Lasagne

 

Obst /

Obstprodukte

  • kein Obst
  • frisches Obst
  • Fruchtsäfte
  • Trockenobst (Datteln, Rosinen ...)
  • Nüsse und Mandeln
  • Marmelade, kandierte Früchte, Fruchtkompott
  • Obstessig

 

Kartoffel und Kartoffelprodukte
  • Kartoffeln und alle selbst hergestellten Gerichte und Beilagen aus Kartoffeln
  • Fertiggerichte wie Kartoffelgratin, Kroketten, Knödel, Rösti, Kartoffelsalat, Bratkartoffeln
Milch, Milchprodukte, Käse
  • Frische Kuhmilch, Schafsmilch, Buttermilch, Kefir
  • frische süße und saure Sahne ohne Zusätze
  • Naturjoghurt
  • Frischkäse, Feta, Ziegenkäse - ungewürzt
  • Hütten- und Küstenkäse, Speisequark, Mascarpone
  • Mozzarella
  • kleine Mengen junger Gouda, Butterkäse
  • selbstgemachtes Milcheis ohne Ei
  • Milchprodukte wie Schmelz-, Kräuter-, Sauermilch-, Schimmelkäse, fertiger Kräuterquark, Fruchtquark, Fruchtjoghurt, Milchreis als Fertigprodukt
  • Eis
  • Kakaogetränke

 

Fleisch, Würste, Geflügel, Wild
  • Alle unverarbeiteten Sorten Fleisch, Fisch, Geflügel, Wild (frisch, tiefgekühlt, ohne Zusätze)
  • frisches Hackfleisch (ungewürzt)
  • selbst hergestelltes Roastbeef, Bratenaufschnitt
  • selbst hergestellte Frikadellen
  • selbstgemachte vegane Brotaufstriche (aus erlaubten Gemüsesorten)

 

  • Alle verarbeiteten Produkte wie
  • Würstchen, Wurstaufschnitt,
  • gepökeltes oder geräuchertes Fleisch wie Schinken,
  • Fleischzubereitungen wie Schaschlik, Fleischsalat, Pasteten, Fleisch in Aspik, Frikadellen, Hamburger
  • Paniertes Fleisch, z.B. Wiener Schnitzel
  • Fleischfertiggerichte, z.B Pfannengerichte, Hühnerfrikassee
  • Würste + Aufstrich: Leberwurst, Leberpastete, Bratwurst, Brühwurst, Kochwurst, Mortadella
  • Panierter Fisch, Fischstäbchen
  • Fischsalate, Fischfertiggerichte, Fischpastete
  • vegane Brotaufstriche (Fertigprodukt)

 

Fisch
  • kein Fisch

 

  • Fisch in jeder Form

 

Eier
  • keine Eier

 

  • Eier in jeder Form

 

Getränke
  • Wasser / Mineralwasser
  • Kaffee
  • schwarzer Tee (pur oder mit Zucker oder Honig gesüßt)

 

  • Fruchtsäfte, Fruchtsaftgetränke
  • Alkoholische Getränke (Wein, Bier, Likör, Schnaps)
  • Lightgetränke
  • Kräutertee, aromatisierter Tee
  • Instantgetränke
  • Kakaogetränkepulver
Brotaufstriche, Süßigkeiten
  • selbst gebackener Kuchen
  • Honig,
  • Zucker
  • Traubenzucker
  • selbst gemachtes Milcheis ohne Ei und Frucht
keine Süßigkeiten, wie
  • Fruchtgummi, Fruchtbonbons, Kaugummi,
  • Nuss-Nougat-Cremes, Schokocremes
  • Waffeln, Kekse, Biskuit, Schokolade, Pralinen
  • Eiscreme
  • Fertigpudding,-Desserts aus dem Kühlregal oder Tüte
  • Schaumzuckerwaren (Schokoküsse, Waffeln, Marshmallows)
  • Zuckerwatte, Cremespeisen, Desserts, Mousse
Fette und Öle, Würzmittel, Sonstiges
  • kalt gepresste Pflanzenöle (z.B. Olivenöl, Rapsöl, Sonnenblumenöl)
  • Butter
  • Salz
  • Schnittlauch
  • Zwiebeln

 

  • Halbfettmargarine, Halbfettbutter
  • Margarine
  • Brühwürfel, Gemüsebrühepulver, Brühen
  • Würzsoßen z.B. wie Maggi, Soja-Sauce
  • Mayonnaise,Ketchup, Senf
  • Remoulade, Dressings, Würzpasten
  • Essig
  • Gewürze
  • Kräuter, Knoblauch
  • Meerrettich

Diese Liste zur pseudoallergenarmen Ernährung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Quellen dieser Lebensmittelliste zur pseudoallergenarmen Diät 2  3 

Die Lebensmittelliste gilt als Orientierungshilfe und Grundinformation für die pseudoallergenarme Diät. Beachten Sie bitte, dass es sich um eine pauschale Liste handelt, die nicht auf Ihre individuelle Situation angepasst ist.


Pseudoallergenarme Rezepte

Hier sind einige pseudoallergenarme Rezepte unserer Seite aufgeführt. Bitte beachten Sie die Anmerkungen zu Einschränkungen in Klammern nach den Rezepten.

Mittagsrezepte 

Frühstücksrezepte


Quellen

  1. Reese I, Zuberbier T, Bunselmeyer B, Erdmann S, Henzgen M, Fuchs T, Jäger L, Kleine-Tebbe J, Lepp U, Niggemann B, Raithel M, Saloga J, Vieths S, Werfel T: Diagnostisches Vorgehen bei Verdacht auf eine pseudoallergische Reaktion durch Nahrungsmittelinhaltsstoffe, Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI), des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA) und der Gesellschaft für pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA)
  2. Reese, I., Schäfer, C.: Ernährungstherapie in der Allergologie, München, 2. erweiterte Auflage 2012, Seite 76-84
  3. Reese, Schäfer, Werfel, Worm: Diätetik in der Allergologie, Diätvorschläge, Positionspapiere und Leitlinien zu Nahrungsmittelallergie und anderen Nahrungsmittelunverträglichkeiten, 4. Auflage 2013, Dustri Verlag, Seite 95-96
  4. Zuberbier T, Chantraine-Hess S, Hartmann K, Czarnetzki BM (1995) Pseudoallergen-free diet in the treatment of chronic urticaria. Acta DermVenereol 75: 484–487

 

Alle Internetlinks abgerufen am 10. Juni 2016

Autor: Sabine Theiding 


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