Histaminintoleranz und Medikamente
Welche Medikamente und Nährstoffe helfen gegen Histaminintoleranz? Welche Medikamente sollte ich meiden?
Überblick: Was hilft?
Eine gute Nachricht: Mit der histaminarmen Ernährung, Nährstoffen und Enzymen kann die Histaminintoleranz heute gut behandelt werden.
Nährstoff-Therapie bei Histaminintoleranz
Experten, wie Ernährungs-Doc Dr. Anne Fleck, geben folgende konkrete Empfehlungen:
- Nährstoffe: Ergänzt werden sollte Vitamin C, Quercetin, Zink, Vitamin B6 und Kupfer (z.B. mit dem MADENA HistaVital, Nährstoffkomplex).
- Probiotika und Präbiotika, also Bakterien und Ballaststoffe: Sie unterstützen die Darmgesundheit (z.B. mit dem Kombipräparat FürstenMED® Bifidoflor HIT).
- Enzym Diaminoxidate (DAO): Die Ergänzung des fehlenden Enzyms DAO (z.B. von Histamed) wird in den ersten Wochen der Behandlung empfohlen.
Tabletten gegen die Symptome der Histaminintoleranz
In akuten Phasen helfen rezeptfreie Medikamente und Tabletten aus der Apotheke, die
- die Mastzellen zu stabilisieren (z.B. mit dem Wirkstoff Cromoglicinsäure in ALLERGOVAL) oder
- die Histamin-Ausschüttung zu verhindern (z.B. mit dem Antiallergikum Cetirizin).
Sie wirken aber nur gegen die Symptome, helfen also nicht gesund zu werden. Sie sollten deshalb nicht dauerhaft und nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden.
Enzym Diaminoxidase (DAO)
Die Histaminintoleranz ist eine Histamin-Abbau-Störung. Dem Körper fehlt das Enzym Diaminooxidase (DAO). Dieses natürliche Verdauungsenzym ist rezeptfrei als Nahrungsergänzung erhältlich. Es beschleunigt den Histamin Abbau im Körper.
Erste Studien lassen die Wirksamkeit erkennen. Experten empfehlen die Einnahme von DAOSIN, obwohl die Wirksamkeit noch nicht wissenschaftlich erwiesen ist.
Dosierung: 4 Wochen lang 15 mg Proteinextrakt/Tag, danach nur vor histaminreichen Mahlzeiten (8-10 mg)
Produkt: DAOSiN Kapseln, 60 Stück (je 4,2 mg Proteinextrakt)
Pflanzliches Medikament: Nature Love DAO Enzym Komplex, 90 Kapseln
Beide sind rezeptfrei in Apotheken oder im Internet erhältlich.
Liste Vitamine und Nährstoffe
Vor allem ein Mangel an Vitamin B6, Vitamin C, Quercetin, Kupfer und Zink verstärkt die Histaminintoleranz. Lies hier, was die Vitamine und Nährstoffe bewirken und wie sie am besten dosiert und eingenommen werden.
Vitamin C
Vitamin C ist ein Antioxidants und schützt die Zellen. Es stärkt außerdem das Immunsystem und wird von Experten wie Dr. Anne Fleck bei Histaminintoleranz empfohlen. Am besten wirkt Vitamin C bei Histaminintoleranz in retardierter Form, bei der das Vitamin C gleichmäßig über den Tag freigesetzt wird.
Therapeutische Dosierung: 1000 - 4000 mg/ Tag
Produkt: Cetebe Vitamin C Retard, 500 mg pro Kapsel, 120 Stück
Vitamin B6 (Pyridoxin)
B6 unterstützt die normale Funktion von Nervensystem, Hormonsystem und Immunsystem. Ist B6 nicht ausreichend vorhanden, können die beiden Enzyme DAO und N-Methyltransferase nicht optimal produziert werden.
Dosierung: Frauen 1,2 mg/Tag Männer 1,6 mg/Tag
Empfehlung: aktiviertes B6 (Pyridoxal-5-Phosphat) ist verträglich
Produkt: Pure Encapsulations Vitamin B6, aus Pyridoxal-5-Phosphat, 17 mg pro Kapsel, 180 Stück
Quercetin
Quercetin ist ein sekundärer Pflanzenstoff, der zum Beispiel in Zwiebeln vorkommt. Er zählt zu den Flavonoiden, wirkt antientzündlich und schützt die Zellen. Bei Histaminintoleranz wirkt Quercetin natürlich für den Histaminabbau.
Dosierung: 500 mg/ Tag
Produkt: Green Naturals Quercetin, 500 mg pro Kapsel, 180 Stück
Zink
Der Mineralstoff Zink hemmt die Freisetzung von Histamin. Es stärkt außerdem das Immunsystem, das Gedächtnis und ist an der Produktion von Schilddrüsenhormen beteiligt.
Therapeutische Dosis: 10 - 25 mg/ Tag
Einnahme: abends zu den Mahlzeiten
Präparat: Natural Elements Zink Tabletten (25 mg, 365 Stück)
Kupfer
Kupfer ist wichtig bei Histaminintoleranz, weil bei Kupfermangel ist die Funktion der DAO gehemmt. Wer unsicher ist, kann vom Arzt die Kupferwerte im Blut messen. Wer einen Mangel hat, sollte kupferhaltige Lebensmittel auf dem Speiseplan nehmen und Kupfer für einige Wochen als Nahrungsergänzung einnehmen.
Produkt: DiaPro® Kupfer
Nährstoff Kombipräparate (rezeptfrei)
Folgendes Produkt ist auf den Bedarf bei Histaminintoleranz abgestimmt. Es enthält die benötigten Nährstoffe Vitamin B6, Vitamin C, Quercetin, Kupfer und Zink in einer Kapsel.
Empfohlenes Produkt: Madena HistaVital Nährstoffkomplex, 100 Kapseln
Anwendung: Je nach Bedarf 1 bis 4 Kapseln täglich mit ausreichend Flüssigkeit einnehmen.
Liste Tabletten
Tabletten gegen die Symptome
Es gibt zwei unterschiedliche Medikamente gegen die Symptome der Histaminintoleranz. Sie wirken aber nicht gegen die Ursachen einer Histaminintoleranz. Eine Behandlung sollte daher nicht nur aus Tabletten bestehen, sondern möglichst nur im Ausnahmefall eingesetzt werden. Die Einnahme und welche Tabletten für dich die richtigen sind, besprich bitte immer mit deinem Arzt. Dies gilt auch dann, wenn Tabletten rezeptfrei in Apotheken erhältlich sind. Es gibt auch verschreibungspflichtige, die vielleicht passender sind.
Allergietabletten (Antihistaminika)
Allergie-Tabletten schalten die Histaminrezeptoren ab und verhindern so die Symptome. Sie senken nicht den Histaminspiegel, sondern blockieren dessen Wirkung.
Rezeptfreie Produkte: Cetirizin oder Loratadin
Anwendung: Einnahme unbedingt eine halbe Stunde vor dem Essen und Trinken.
Cromoglicinsäure-Tabletten (rezeptfrei)
Cromoglicinsäure ist ein Mastzellstabilisator. Es hat eine antiallergische Wirkung und hilft ebenfalls bei Histaminintoleranz. Der Wirkstoff Cromoglicinsäure stabilisiert die Zellmembran von Mastzellen und damit die Freisetzung von Histamin und weiteren Entzündungsstoffen. Mastzellstabilisatoren als Tabletten werden bei dauerhaften Symptomen der Histaminintoleranz empfohlen. Ihre volle Wirkung entfalten diese Medikamente erst bei längerer Anwendungsdauer.
Medikamente (apothekenpflichtig, rezeptfrei)
ALLERGOVAL Kapseln, 100 Stück je 100 mg Cromoglicinsäure
COLIMUNE S Granulat, 50 Stück je 200 mg Cromoglicinsäure
Probiotika und Präbiotika
Da die Enzymbildung der DAO vom Darm und dem Darmbiom abhängt, hilft eine darmgesunde Ernährung mit vielen Ballaststoffen und erlaubten probiotischen Lebensmitteln. Zusätzlich eingenommene Probiotika (Bakterien) und Präbiotika (Ballaststoffe) zum Darmaufbau helfen, die Histamin-Aktivität von Mastzellen zu verringern. Immer mehr Forscher weisen in Studien Zusammenhänge zwischen dem Darmbiom und Histaminintoleranz nach.
Produkte: FürstenMED® Bifidoflor HIT, 60 Kapseln, Kombipräparat mit Bakterien und Ballaststoffen
Dauer: 12 - 16 Wochen
Welche Medikamente meiden?
Die genannten Medikamentenwirkstoffe sollte man bei Histaminintoleranz, wenn möglich, meiden. Es gibt Medikamente, die das Histamin abbauende Enzym Diaminoxidase (DAO) hemmen und so zu einem Histaminanstieg im Körper führen. Die nachstehende Liste führt außerdem Histamin freisetzende Medikamente (sogenannte Histaminliberatoren). Diese sind mit * gekennzeichnet. Als verträglich gelten grundsätzlich alle Medikamente, die in der Liste nicht aufgeführt sind.
Bespreche mögliche Alternativen mit deinem Arzt oder achte besonders konsequent auf eine histaminarme Ernährung. Bitte beachte: Die Liste ist nicht abschließend. Du solltest Medikamente niemals ohne Rücksprache mit dem Arzt absetzen.
| Wirkstoff | Einsatz des Medikaments als | Beispiele für Medikamente im Handel |
|---|---|---|
| Acemetacin | Antirheumatikum | Rantudil forte® |
| Acetylcystein | Schleimlöser, Hustenlöser | ACC akut®, Myxofat® |
| Acetylsalicylsäure * | Antirheumatikum (schmerzstillend, entzündungshemmend und fiebersenkend) | Aspirin®, ASS Hexal®, Neuralgin® |
| Alcuroniumchlorid | Muskelrelaxantien, Narkosemittel | Alloferin® |
| Alprenolol | Betablocker, Blutdrucksenker | Aptin® |
| Ambroxol | Schleimlöser, Hustenlöser | Ambroxol®, Mucosolvan® |
| Amilorid | Entwässerungsmittel (bei Bluthochdruck oder Herzschwäche) | Amilorid HCT AL®, Diaphal® |
| Aminophyllin | Asthma-Medikament | Aminophyllin 125® |
| Amitriptylin | Antidepressivum | Saroten®, Tryptizol® |
| Cefotiam | Antibiotikum | Spizef®, Texotil®, Taketiam® |
| Cefuroxim | Antibiotikum | Zinacef® |
| Chinidin | Herzmittel | Cordichin® |
| Chloroquin | Malariamittel, Antirheumatikum | |
| Cimetidin | H2-Antihistaminikum, Hemmung der Magensäureproduktion | Cimetidin acis® |
| Clavulansäure | Antibiotika | |
| Cycloserin | Antibiotika | Seromycin® |
| Cyclophosphamid | Krebsmittel, Autoimmunkrankheiten | Endoxan® |
| Diazepam | Beruhigungsmittel (Psychopharmaka) | Valium® |
| Dihydralazin | Blutdrucksenkendes Medikament | Nepresol®, Depressan® |
| Dobutamin | Notfallmedikament Herztherapie | |
| Diclofenac * | Antirheumatikum (schmerzstillend, entzündungshemmend und fiebersenkend) | Voltaren® |
| Flurbiprofen * | Antirheumatikum (schmerzstillend, entzündungshemmend und fiebersenkend) | Dobendan® |
| Framycetin | Antibiotikum | Leukase N® |
| Furosemid | Harntreibendes Medikament | Lasix® |
| Haloperidol | Neuroleptikum (Psychopharmaka) | Haldol® |
| Indometacin * | Antirheumatikum (schmerzstillend, entzündungshemmend und fiebersenkend) | Indo-Top-Rationpharm®-Spray |
| Isoniazid | Tuberkulose-Medikament | |
| Ketoprofen * | Antirheumatikum (schmerzstillend, entzündungshemmend und fiebersenkend) | |
| Mefenaminsäure * und Meclofenaminsäure * | Antirheumatikum (schmerzstillend, entzündungshemmend und fiebersenkend) | |
| Metamizol | Schmerzmittel | Novalgin® |
| Metoclopramid | Magen-Darm-Mittel (Übelkeit und Erbrechen) auch in Schmerzmitteln verwendet | MCP Ratiopharm®, Paspertin® |
| Morphin | Schmerzmittel | |
| Naproxen * | Antirheumatikum (schmerzstillend, entzündungshemmend und fiebersenkend) | |
| Pancuronium | Muskelrelaxantien, Narkosemittel | |
| Pethidin | Schmerzmittel | Dolantin® |
| Prilocain | Lokales Betäubungsmittel | |
| Propafenon | Medikament bei Herzrhytmusstörungen | |
| Propanidid | Narkosemittel | |
| Röntgenkontrastmittel (alle) * | Röntgenkontrastmittel | |
| Theophyllin | Asthma-Medikament | Euphilin® |
| Thiopental | Schlafmittel | Trapanal® |
| Verapamil | Herz-Kreislauf-Mittel | Isoptin® |
Tabelle / Übersicht: Liste unverträglicher Medikamente und Medikamentenwirkstoffe bei Histaminintoleranz, Quellen: Jarisch 2013, Fritzsche 2013 (s.u. Quellenverzeichnis)
Quellen
- Sánchez-Pérez, et al: Intestinal Dysbiosis in Patients with Histamine Intolerance, Nutrients 2022 Apr 23;14(9):1774. doi: 10.3390/nu14091774.
- Schink, M et al: Microbial patterns in patients with histamine intolerance, J Physiol Pharmacol, 2018 Aug;69(4). doi: 10.26402/jpp.2018.4.09. Epub 2018 Dec 9.
- Schnedl, Wolfgang J; Enko, Dietmar: Histamine Intolerance Originates in the Gut, Nutrients, 2021 Apr 12;13(4):1262. doi:10.3390/nu13041262.
- Hrubisko, M et al: Histamine Intolerance—The More We Know the Less We Know. A Review, Nutrients, 2021 Jul; 13(7): 2228. Published online 2021 Jun 29. doi: 10.3390/nu13072228
- Histamin-Unverträglichkeit: Was tun?, 10.02.2020, ndr.de
- Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI), Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA), Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA): Leitlinie: Vorgehen bei Verdacht auf Unverträglichkeit gegenüber oral aufgenommenem Histamin, Allergo J Int 2017; 26: 72-9
- Dr. med. Fleck, A: Energy! Der Weg aus dem Müdigkeitslabyrinth, dtv Verlagsgesellschaft, 16.März 2021
- Gilfillan AM, Austin SJ, Metcalfe DD. Mast cell biology: introduction and overview. Adv Exp Med Biol. 2011;716:2-12. doi: 10.1007/978-1-4419-9533-9_1. PMID: 21713648; PMCID: PMC3398748.
- Dr. med. Jarisch, R: Histaminintoleranz: Ursachen, Symptome, Behandlung: Alles für ein beschwerdefreies Leben, 6.10.2021
Alle Internetlinks abgerufen am 29. Juni 2026, letzte Aktualisierung am 29. Juni 2026.