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Fischallergie

Fisch gehört zu den Lebensmitteln, die vor allem bei Kindern häufig eine Nahrungsmittelallergie auslösen. Schon kleine Spuren können bei Betroffenen heftige Symptome auslösen. Typische Symptome einer Fischallergie sind Magen-Darm-Beschwerden und Hautausschlag oder Rötungen.

von Sabine Theiding [Quellen]

Inhaltsverzeichnis
  1. Was ist eine Fischallergie?
  2. Was eine Fischallergie auslöst
  3. Test: Wie wird eine Fischallergie festgestellt?
  4. Kreuzallergie
  5. Was tun bei Fischallergie?
  6. Ernährung und Lebensmittel
  7. Fehlende Nährstoffe ersetzen
Fischallergie

Was ist eine Fischallergie?

Eine Fischallergie ist eine Lebensmittelallergie. Dabei kommt es zu einer allergischen Reaktion des Körpers auf bestimmte Inhaltsstoffe im Fisch. Eine Fischallergie kann leicht ausgeprägt sein, aber auch einen heftigen Verlauf haben und zu einem lebensbedrohlichen allergischen Schock mit Atemnot und Kreislaufstillstand führen. Zum Teil reagieren Betroffene bereits auf kleinste Spuren mit allergischen Reaktionen. Eine ärztliche Behandlung und die richtige Ernährung sind daher wichtig.


Symptome der Fischallergie

Die Symptome können sofort auftreten oder verzögerter erst mehrere Stunden bis Tage nach dem Fischverzehr.

  • Soforttyp-Reaktionen (innerhalb von wenigen Minuten)
  • Spättyp-Reaktionen (innerhalb von 24-48 Stunden)

Folgende Symptome werden typischerweise beobachtet:

Magen-Darm-Beschwerden
Übelkeit, Durchfall und Erbrechen können auftreten (sofort oder verzögert).

Hautveränderungen

  • Soforttyp-Reaktionen:
    • Rötungen
    • Schwellungen
    • Ausschlag
  • Spättyp-Reaktionen:
    Bei Kindern mit Neurodermitis kann es zu einer Verschlechterung der Ekzeme kommen.

Allergieschock

In seltenen Fällen kann es zu einem anaphylaktischen Schock kommen. Dies ist die schwerste Form der allergischen Reaktion mit Atembeschwerden, Schwindel, Kreislaufzusammenbruch, Atemnot bis hin zum Atemstillstand, der tödlich enden kann. In diesem Fall ist die sofortige Behandlung von einem Notarzt notwendig.


Was eine Fischallergie auslöst

Fischallergien entstehen, wenn das Immunsystem harmlose Eiweißstoffe im Fisch – sogenannte Allergene – fälschlicherweise als gefährlich einstuft und bekämpft. Fische enthalten eine Vielzahl solcher Eiweiße, von denen besonders Parvalbumin als Hauptallergen gilt.

Parvalbumin ist ein Calcium-bindendes Muskelprotein, das in vielen Fischarten vorkommt. Bisher wurden 21 verschiedene Parvalbumin-Typen in zwölf Fischarten identifiziert. Der Gehalt dieses Allergens variiert stark: Fische mit dunklem oder rotem Fleisch – wie Thunfisch, Schwertfisch oder manche Makrelen – enthalten bis zu 100-mal weniger Parvalbumin als z. B. Forelle oder Lachs. Daher werden sie von einigen Betroffenen besser vertragen. Besonders problematisch sind Parvalbumine aus hellfleischigen Fischarten wie Forelle und Lachs, die häufig starke allergische Reaktionen auslösen.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Parvalbumin ist hitzestabil, das heißt, es bleibt auch beim Kochen, Braten oder Backen allergen wirksam.

Neuere Studien zeigen zudem, dass auch andere Fischproteine – etwa Aldolase, Enolase oder Kollagen – allergische Reaktionen hervorrufen können. Allerdings reagieren viele Fischallergiker nicht auf alle Fischarten gleich stark. Dank moderner Diagnostik ist es heute möglich, gezielt herauszufinden, welche Arten individuell verträglich sind. Das bedeutet: Ein vollständiger Fischverzicht ist oft nicht nötig.


Wie häufig ist eine Fischallergie?

Fisch zählt in Europa zu den häufigsten Auslösern einer Lebensmittelallergie. 0,1 % der europäischen Bevölkerung hat eine Fischallergie. Kinder und Babys sind allgemein häufiger betroffen als Erwachsene. Gerade in Ländern, in denen viel Fisch verzehrt wird (z. B. Skandinavien), ist die Rate hoch. In Deutschland ist die Zahl der Betroffenen vergleichsweise niedrig.



Test: Wie wird eine Fischallergie festgestellt?

Es gibt verschiedene Tests, um eine Fischallergie festzustellen. Die Diagnose erfolgt durch einen Allergologen. Das Diagnoseverfahren beim Arzt läuft in der Regel wie folgt ab:

  1. Analyse des Ernährungsverhaltens in einem Gespräch
    Anhand des persönlichen Gesprächs können erste Rückschlüsse auf eine mögliche Fischallergie gezogen werden.

  2. Bluttest und/oder Hauttest
    Blut- und Hauttests können zeigen, ob der Körper gegen Fisch sensibilisiert ist, aber nicht eindeutig belegen, ob eine Fischallergie Ursache für die Symptome ist.

  3. Provokationstest
    Um eine Fischallergie eindeutig nachweisen zu können, kann im Zweifel ein Provokationstest durchgeführt werden. Dabei müssen Betroffene für einen Zeitraum auf alle Fischarten verzichten. Anschließend werden nach und nach kleine Mengen Fisch wieder eingeführt und die Reaktion des Körpers (unter ärztlicher Kontrolle) beobachtet.

Andere Ursachen für eine Unverträglichkeit

Bei Magen-Darm-Beschwerden nach dem Verzehr von Fisch muss nicht zwangsläufig eine Fischallergie vorliegen. Auch eine Fischvergiftung oder eine Histaminunverträglichkeit ist eine mögliche Ursache. Beide werden von Stoffen wie Histamin ausgelöst, wenn Fisch länger gelagert wird. Eine Fischvergiftung ist keine allergische Reaktion, sondern eine Lebensmittelvergiftung. Eine Histaminintoleranz ist eine Abbaustörung von Histamin im Körper. Klassische Symptome einer Fischvergiftung sind Übelkeit, Erbrechen und Herzrasen. Bei Histaminintoleranz gibt es zusätzlich zahlreiche weitere Symptome wie Durchfall, Kopfschmerzen und Herzrasen.


Kreuzallergie

Eine Kreuzallergie liegt dann vor, wenn unser Immunsystem einen ähnlichen Stoff mit dem eigentlichen Allergen verwechselt. Das bedeutet, dass Betroffene auf ein neues Allergen reagieren, obwohl gar keine Allergie dagegen vorliegt.

Bei einer Fischallergie durch das Allergen Parvalbumin, kann es zu Kreuzallergien mit anderen Fischsorten kommen, die Proteine mit ähnlichen Eigenschaften enthalten. Daher reagieren Betroffene zum Teil auf viele Fischarten, auch wenn nicht unbedingt alle Parvalbumin enthalten.

Fisch und Meeresfrüchte (wie Garnelen, Muscheln, Tintenfisch) gehören zu unterschiedlichen biologischen Gruppen. Eine Allergie gegen Fisch bedeutet nicht automatisch eine Unverträglichkeit gegenüber Meeresfrüchten – sie kann aber zusätzlich bestehen.

Selten gibt es eine Reaktion auf Fischgelatine (Isinglass), das in Wein oder Bier verwendet wird.


Was tun bei Fischallergie?

Folgende Behandlungen und Maßnahmen kannst du ergreifen:

  • Den Auslöser der Fischallergie meiden
    Vor allem bei schweren Fischallergien müssen die auslösenden Fischsorten komplett gemieden werden. Dasselbe gilt für Lebensmittel, die Spuren von Fisch enthalten.

  • Krebstiere und Weichtiere müssen nicht pauschal gemieden werden
    Nur weil eine Fischallergie vorliegt, bedeutet das nicht, dass auch eine Allergie gegen andere Meerestiere wie Krebse, Muscheln, Schnecken, Tintenfische usw. besteht. Die Krebstierallergie und Allergie gegen Weichtiere sind zwei eigenständige Allergien, die durch einen Allergietest genau geklärt werden sollten.

  • Hygiene in der Küche
    Eine weitere potentielle Gefahrenquelle ist die Kreuzkontamination. Von einer Kreuzkontamination spricht man, wenn fischfreie Lebensmittel, Arbeitsplatten, Geschirr oder ähnliches mit Fisch in Berührung kommen und das Allergen auf diesem Weg übertragen wird. So kann zum Beispiel unsauberes Arbeiten in der Küche eine Gefahrenquelle darstellen und sollte vermieden werden.

  • Auf Lebensmittelkennzeichnung achten
    Fisch muss auf verpackter Ware als Inhaltsstoff gekennzeichnet sein. Überprüfe deinen Einkauf und achte auch auf Lebensmittel, in denen kleine Spuren von Fisch zu finden sein können. In Restaurants und bei loser Ware gilt dies auch.

  • Mit Medikamenten vorbereitet sein
    Bei einer schweren Form der Fischallergie solltest du auf Nummer sicher gehen und immer ein Notfallset bei dir tragen! Es enthält eine Spritze mit Adrenalin (auch Epinephrin genannt), wird in die Vene oder in den Muskel (z.B. Oberschenkel) gespritzt und wirkt sehr schnell.

Ernährung und Lebensmittel

Bei einer Fischallergie müssen Betroffene auf alle Fischsorten, die die Allergie auslösen, verzichten. Außerdem sind alle Lebensmittel verboten, die versteckte Fischanteile haben.

Diese Fische und Fischerzeugnisse müssen Allergiker meiden:

  • Alle Fische, Süß- als auch Salzwasserfische (frisch, tiefgefroren, abgepackt, mariniert, weiterverarbeitet)
    • Aal
    • Barramundi
    • Alaska Seelachs
    • Dorade
    • Forelle
    • Ostsee-Dorsch
    • Kabeljau
    • Hecht
    • Heilbutt
    • Hering
    • Kabeljau, Dorsch
    • Karpfen
    • Keta-Lachs
    • Lachs / Atlantischer Lachs
    • Makrele
    • Maräne
    • Pangasius
    • Plattfisch / Flügelbutt
    • Rotbarsch
    • Scholle
    • Seezunge
    • Stint
    • Thunfisch
  • Kaviar, Presskaviar
  • Fischöl, Fischölkapseln
  • Lebertran
  • Surimi (Krebsfleisch-Imitat, in dem Seelachs verarbeitet ist)
  • Fischmehl
  • Lachsersatz
  • Fischextrakt
  • Feinkostsalate z. B. mit Thunfisch
  • Paella (spanisches Fischgericht)
  • Vitello Tonnato (Antipasti)
  • Anchosen
  • Krill, Krillöl
  • Anchovis auf Pizza
  • Anchovis in Salatdressings
  • Fischsuppe
  • Fischsaucen
  • Beluga (Kaviarart)
  • Sevruga (Kaviarart)
  • Sild (pikant eingelegter junger Hering)

Lebensmittel, in denen Fisch versteckt enthalten sein kann:

  • Würzsaucen
  • Sardinenpaste
  • Anchovispaste
  • asiatische Würzpaste
  • Squid Brand
  • Krabbenbrot
  • Krabbenbutter
  • Margarine (mit gehärtetem Fischöl)
  • Brotaufstriche
  • Fleisch und Eier von Geflügel, die mit Fischmehl gefüttert wurden

In der Regel frei von Fisch:

  • Gemüse
  • Kartoffel
  • Getreide (alle Mehlsorten)
  • Fleisch
  • Milch
  • Eier
  • Obst
  • Nüsse
  • Samen
  • Meeresfrüchte (Schalen-, Krusten- und Weichtiere ohne Fischanteile)
  • Algenöl (als Omega-3 Quelle bei Fischallergie wichtig)
  • Käse
  • Joghurt
  • Quark
  • Sahne
  • Buttermilch

Fehlende Nährstoffe ersetzen

So kannst du die fehlenden Nährstoffe ersetzen

Fische liefern wichtige Nährstoffe wie Proteine, Jod und Omega-3-Fettsäuren. Die Nährstoffe lassen sich aber größtenteils auch durch pflanzliche Lebensmittel gut decken.

Omega-3-Fettsäuren
In Rapsöl sowie Chia- oder Leinsamen sind viele Omega-3-Fettsäuren zu finden. Algenöl ist für Veganer und alle die keinen Fisch essen ideal. Denn es ist die einzige pflanzliche Quelle für wichtige Omega-3-Fettsäuren, die direkt vom Körper aufgenommen werden können.

Zahlreiche Rezepte mit Chiasamen und weitere Omega-3-Rezepte findest du auf kochenOHNE.

Proteine
Proteine sind in zahlreichen pflanzlichen Lebensmitteln wie Hülsenfrüchten und Getreide zu finden. Auch Lebensmittel tierischen Ursprungs (Eier, Milch, Fleisch) sind proteinhaltig.

Jod
Um einem Jodmangel vorzubeugen, solltest du auf jodiertes Speisesalz zurückgreifen.


Quellen

  1. Medizinische Universität Wien: Neue Studie zeigt verbesserte Diagnosemöglichkeiten für Fischallergien,  4/2025
  2. Dijkema, D et al: Fish Allergy: Fishing for Novel Diagnostic and Therapeutic Options, 02/2022
  3. Zuberbier, Prof. Dr. med. Dr. h.c. T. : Fischallergie, ECARF 2016
  4. Arnhold: Fisch ist nicht gleich Fisch - Proteinuntersuchungen geben neue Einblicke in Lebensmittelallergien durch Speisefische, Zentrum für Umweltforschung und Universitätsmedizin Leipzig, 2013
  5. Jensen-Jarolim, E. Univ.Prof.in Dr.in: Allergie auf Fisch oder Meeresfrüchte (Garnelen, Krebse, Muscheln), gesundheit.gv.at
  6. Ärztezeitung: Wann Fischallergiker Fisch essen können, 2017
  7. Medizinische Universität Wien: Fischallergie: Kollagen wird als Allergen oft übersehen, 2020
  8. Lange: Fischallergie, Pädiatrische Allergologie, 2012
  9. Datenbank: ALLERGEN NOMENCLATURE, WHO/IUIS Allergen Nomenclature Sub-Committee, World Health Organisation

Internetlinks geprüft am 17. Juli 2026, letzte Aktualisierung am 17. Juli 2026.


Autor
Sabine Theiding
Diplom Verw.- wirtin, Medizinautorin
Sabine gründete kochenOHNE 2008 aus eigener Betroffenheit – und baut seitdem aus fast 20 Jahren Erfahrung, Recherche und gelebtem Alltag echtes Wissen auf.
Geprüft von
Anna Plümacher
M.Sc. Ernährungswissenschaft | Ökotrophologin (B.Sc.)
Anna hat Ernährungswissenschaften nicht nur studiert – sie hat darin geforscht. Bei kochenOHNE sorgt sie dafür, dass unsere Texte fachlich stimmen und trotzdem verständlich bleiben.

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